Synagoge der Israelitischen Kultusgemeinde Linz
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MAX KAINDL-HÖNIG über die
MINORA-LEUCHTER UND EWIGES LICHT in der Linzer Synagoge

"Mit dem künstlerischen Beitrag für den in seinem geistigen Gestaltbild richtungweisenden Kultbau in Linz, ein Werk des österreichischen Architekten Friedrich Goffitzer, verfolgt Arno Lehmann eine eigene mythisch-sakrale Idee. Er will dem Gotteshaus der Israelitischen Gemeinde die Kultsymbole der siebenarmigen Leuchter und des Ewigen Lichts über der Thora nicht nur nach traditionellen Vorbildern schaffen-. sein Ausdruckswille sucht eine tiefer lotende ‘Verbindung. Er erkennt sie in einem archäologischen Befund: Zu eben dieser Zeit waren in Qumran, am Felsgestade des Toten Meeres, die Schriften der Essener entdeckt worden. Lehmann spricht in seinen Überlegungen insbesondere von der Siebenzahl der »Isalas-Rollen«. Unmittelbar fühlt er sich von dem fragmentarischen Zustand der aus dem Höhlenversteck geborgenen Schriftreliquien angeregt. Er überträgt die Erscheinung des Stückhaften und der Zerbrechlichkeit auf die Gestalt der siebenarmigen Leuchter, die er zu gestalten hat. Deshalb formt er handgeschlagene Rudimente aus rotem und schwarzem, unglasiertem Ton. Die im Rauchbrand gehärteten Stücke erhalten das Aussehen von stofflichem Verfall; der Zusammenhalt erscheint brüchig geborsten. Die durchbohrten Teile werden an Eisenstäben in die Krümmungen des Armsystems und in die lotrechte Achse der Leuchter eingeführt. Den gleichen Torsocharakter erhält das an Schnüre gehängte große Lichtgefäß mit seiner Reduktionsglasur von Silber und Uran. So hat alles zuletzt die Beschaffenheit, als sei es aus dem Dunkel der Erde gehoben. Ob Lehmann zur selben Zeit seine »Stelen« bewußt zu einer mystischen Deutung in Beziehung gesetzt, oder ob die Objekte lediglich technische Parallelen bedeuteten, mag das Gefühl des vergleichenden Betrachters entscheiden: Geist oder Technik? Dieselbe Frage gälte dann zwingend auch als Kriterium eines zweiten, anderen Vergleichs: Gab es eine unausgesprochene Verbindung zwischen den an Stäbe gesteckten Minora-Stücken und jenen gestifteten Gliedern am Hornskelett der »Weißen Gazelle«? Oder begnügt man sich dort mit der Definition einer geschickten »Montage«?"

in Arno Lehmann, Keramik - Plastik - Malerei; Verlag Galerie Welz, Salzburg 1983

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